Brunsbüttel · Geschichte und Geschichten
Unsere Heimat ist Brunsbüttel
Da, wo die Nordsee beginnt, sind wir zu Hause. Ein „echter“ Dithmarscher erzählt von seiner Heimat, mit vielen Tipps für eure Zeit hier.
Von Heinz und Heidi Glindemann · Lesezeit etwa 15 Minuten
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Die Tour auf der Karte
Die Zahlen sind die Kapitel. Ein Klick springt zur Geschichte.
Mein Vater war der Gammelkönig von Neufeld. Kein Witz: Je nach Windrichtung roch das ganze Dorf nach den Krabbenschalen, die hinter unserem Elternhaus zum Trocknen lagen. So fängt meine Geschichte mit dieser Gegend an, und zu Ende ist sie bis heute nicht.
„Wir kommen aus Brunsbüttel“, das erzählen wir gern auf Reisen oder in Hamburg, wo wir beruflich eine zweite Heimat gefunden haben. Erst in der Ferne merkt man, wie spannend Brunsbüttel wirklich ist. Lasst uns eine Tour machen. Ich lade euch ein.
Ein Bauernstab zum Abitur
Unsere erste Heimat bleibt Brunsbüttel. Warum eigentlich? Von Brunsbüttel und Neufeld aus haben wir beide das Gymnasium in Marne besucht. Zum bestandenen Abitur 1967 überreichte uns der damalige Marner Bürgermeister Puls den Bauernstab, als Symbol für unsere Herkunft aus der ehemaligen Bauernrepublik Dithmarschen. Dazu bat er uns, unsere Heimat nicht zu vergessen. Haben wir wohl auch deshalb nicht.
Inzwischen hat Brunsbüttel selbst ein Gymnasium und ist eine erfolgreiche Kleinstadt geworden. Unsere heimatlichen Gefühle wohnen heute in Brunsbüttel, da, wo die Nordsee beginnt. Je länger wir fort waren, desto deutlicher wurde uns, was für ein Schatz hier zum Erholen und Erkunden wartet.
Durch die Marsch nach Brunsbüttel
Die ersten Wegweiser nach Brunsbüttel findet ihr auf der A23 in Itzehoe-Mitte. Von dort geht es auf der Bundesstraße 5 durch die Wilstermarsch, früher einer der wenigen befestigten Wege durch dieses ehemalige Sumpfgebiet. Die Landschaft ist platt wie ein Pfannkuchen. Wer genauer hinschaut, entdeckt unzählige Gräben mit Kühen auf grünen Weiden.
Die Gräben gehören zu einem ausgeklügelten Entwässerungssystem, das sich holländische Wasserbauer ausgedacht haben. Früher pumpten Windmühlen das Wasser aus den Gräben in höher gelegene Fleete. Heute erledigen das elektrische Pumpen in kleinen Häuschen.
Für Wasserbau-Fans: Fleete, Siele und warum die Marsch trockene Füße braucht
Die Fleete, als Fließgewässer teils auch Au genannt, führen zu den Seedeichen. Dort gibt es jeweils ein durch Schotten abgesperrtes Siel. Bei Tideniedrigwasser und geöffneten Schotten fließt das Wasser aus dem Gebiet binnendeichs in die Tideelbe und weiter zur Nordsee. Reicht die Zeit des niedrigen Wasserstandes nicht aus, läuft das Regenwasser nicht mehr durch das natürliche Gefälle unter dem Deich hindurch. Bei weiter steigendem Meeresspiegel ersetzen die Sielverbände die Siele deshalb vermehrt durch Pumpwerke.
Ohne Seedeiche würden die riesigen Flächen zwischen Deich und Geest zweimal am Tag bei Tidehochwasser weitgehend unter Wasser stehen. Für das Flusssystem der Tideelbe mit seinem einmaligen ökologischen Wert wäre das zwar ein Vorteil, aber die Marschbewohner möchten verständlicherweise trockene Füße behalten. Wer die Zusammenhänge verstehen möchte: Das Strategiepapier Tideelbe von 2006 ist sehr empfehlenswert.

Zäh, wortkarg, stur und herzlich
Die Vorfahren der Marschbewohner haben über Jahrhunderte den Naturgewalten getrotzt. Selbst Deichbrüche bei extremen Sturmfluten hielten sie nicht davon ab, hier zu leben. Das prägt bis heute: Sie gelten als zäh, wortkarg oder sogar stur. Wenn ihr euch aber für diese Gegend interessiert und auf die Menschen zugeht, sind sie wahrscheinlich freundlicher und hilfsbereiter, als ihr es aus der Großstadt kennt.
Kanal, Schleusen und dicke Pötte
Bevor ihr unsere Heimatstadt erreicht, müsst ihr noch die meistbefahrene künstliche Seewasserstraße der Welt überqueren.
Dithmarschen ist strenggenommen eine Insel.
Im Norden trennt die Eider dieses Kleinod vom Rest der Welt, im Süden der mehrere hundert Meter breite Nord-Ostsee-Kanal. Der NOK trennt in Brunsbüttel auch die Wohngebiete sehr wirksam von den Industriegebieten im Südosten. Über den Kanal fahren kostenlose Fähren, aber die Seeschiffe haben immer Vorfahrt. Von der Hochbrücke seht ihr die Traumschiffe aus 42 Metern Höhe unter euch. Auf der Nordseite des Kanals beginnt mit dem Nordseeland Brunsbüttel die eigentliche Nordseeregion.
Brunsbüttel liegt am Kanal und zugleich an der Tideelbe, da, wo die Nordsee beginnt. Wo vor einigen hundert Jahren kaum ein Mensch die Sümpfe betrat, entstand mit dem Bau des Kanals vor über 125 Jahren eine Stadt für Schiffsfans. Die Seeschleusen gleichen den ständig wechselnden Wasserstand zwischen Elbe und Kanal aus. Auf den Besucherplattformen seid ihr den riesigen Schiffen so nah, dass ihr sie fast anfassen könnt. Das gibt es fast nirgends auf der Welt. Oft dauert ein Schleusengang weniger als eine halbe Stunde, und schon kommt das nächste Schiff.

Lotsen: die Chauffeure der dicken Pötte
Lotsen sind erfahrene, besonders ausgebildete und revierkundige Kapitäne. In Brunsbüttel gehen sie schon an Bord, um die Schiffe in die Schleusen zu manövrieren, und begleiten sie bis Rüsterbergen. Dort, auf halbem Weg nach Kiel, übernehmen Lotsen aus Kiel.
Ihr könnt die Schiffe auch selbst begleiten: Am Kanal entlang führt fast überall ein öffentlicher Betriebsweg, ideal zum Wandern und Radfahren, über die eiszeitliche Geest bei Burg und Hochdonn bis ins fast 100 Kilometer entfernte Kiel. Wegen des Schleusenbaus ist die Südseite zwischen Brunsbüttel und Burg derzeit gesperrt; nehmt dann die Nordseite. Das Schiffegucken weckt fast immer Sehnsucht nach dem Meer und der großen weiten Welt. Schiffe aus der Ostsee biegen hinter den Schleusen entweder links ab nach Hamburg oder rechts über die Nordsee in alle Welt.
Hamburg ist nah, Kiel gefühlt weit weg
Hamburg ist traditionell eng mit Brunsbüttel verbunden. Kiel dagegen ist für viele Brunsbütteler gefühlt sehr weit weg, obwohl es die Landeshauptstadt ist. Selbst die Feier zur Eröffnung des Kanals mit Kaiser Wilhelm II. begann nicht in Kiel, sondern mit einem Festessen im Hamburger Rathaus. Ein Tagesausflug nach Hamburg hat schon viele unserer Gäste begeistert, und abends sind sie meist froh, den Trubel hinter sich zu lassen und in die Ruhe von Brunsbüttel zurückzukehren.
Am Deich entlang nach Neufeld
Für den ersten Tag empfehlen wir einen Spaziergang direkt hier in Brunsbüttel: durch die Koogstraße zu den Seeschleusen und dann seeseits am Deich entlang zur Elbe, und lasst euch den meist westlichen Wind um die Nase wehen. Die dicken Pötte von und nach Hamburg fahren ganz nah am Treibselräumweg vor dem Deich vorbei. Nach etwa 8 Kilometern erreicht ihr Neufeld.
Wo Pferde zur Kur fahren
Hier, wo die Nordsee beginnt, ist das Reizklima noch etwas milder als direkt an der Küste. Das ist kein Witz: Im Sommer werden nördlich des Stadtrands in Kattrepel und Neufeld erholungsbedürftige Pferde, überwiegend aus Süddeutschland, zur Kur einquartiert, weil sie dieses Klima besser vertragen. Uns geht es übrigens genauso.

Von unseren Häusern aus kommt ihr auch an der Braake entlang zu den Wirtschaftswegen der Bauern. Auf diesen Feldwegen könnt ihr die offene Dithmarscher Marsch in schier endloser Länge genießen, zu Fuß oder mit dem Rad, mit kaum Verkehr und ideal für euer Fitnessprogramm.
Die Braake ist übrigens auch so ein Fleet. Ihr Wasser wird am Deich beim Hotel „Kleiner Yachthafen“ in die Elbe gepumpt; Schautafeln erklären, wie das funktioniert. Von dort habt ihr einen wunderschönen Blick über den kleinen Yachthafen auf die vorbeiziehenden Schiffe. Bei Niedrigwasser liegen die Segelboote im Schlick, bei auflaufender Flut schwimmen sie wieder auf. Tideabhängig nennt man so einen Hafen, typisch für die Nordseeküste mit ihrem Wattenmeer.

Neufeld: ein absolutes Muss
Noch schöner sieht man das in Neufeld, ob zu Fuß oder mit dem Rad über den Treibselräumweg vor dem Deich oder mit dem Auto über die Straße dahinter. Das frühere Fischerdorf ist längst kein Geheimtipp mehr; im Sommer übernachten viele Wohnmobile direkt am Hafen. Ganz besonders beliebt ist das Speiselokal „Op’n Diek“ oben auf dem Seedeich, mit weitem Blick über das Vorland zur Elbe und den Schiffen auf dem Weg in die weite Welt. Ein Platz zum Träumen, bei hervorragender Küche und mit dem legendären Neufelder Eiergrog. Besonders die frischen Krabben „op’n Diek“ erinnern uns an vergangene Zeiten.
Für Wasserbau-Fans: Warum der Neufelder Hafen nicht verschlickt
Der tideabhängige Hafen ist eigentlich nur das letzte Stück eines Priels, der früher das Hinterland bis Marne für Schiffe zugänglich machte. In Marne gibt es deshalb heute noch, 5 Kilometer vom Seedeich entfernt, die Hafenstraße. Vom schiffbaren Weg ist nur ein kleines Fleet übrig. Die im letzten Jahrhundert eingedeichten Köge, Neufelder Koog und Kaiser-Wilhelm-Koog, entwässern ebenfalls durch Siele über den Neufelder Hafen in die Elbe. Das ausströmende Wasser sorgt für genug Spülkraft, damit das Fahrwasser im Hafenpriel für Sportfischer und Segelboote nicht vollständig verschlickt.
Erinnerungen an den Neufelder Hafen
Unsere Gedanken sind inzwischen romantisch verklärt, aber meine Kindheit war geprägt vom täglichen Aufenthalt am Hafen. Meine Eltern nahmen die Krabbenfänge der Fischkutter in Empfang, von bis zu 40 Kuttern. Die Krabben gingen an die Puler, die sie in Heimarbeit schälten und meist spät abends frisch gepult bei uns im Haus ablieferten. Dort wurden sie in Dosen konserviert oder frisch in eine Fabrik nach Marne gebracht.
Die Krabbenschalen trockneten hinter unserem Haus auf Sieben mit Heißluft. Der Geruch, besser gesagt der Gestank, zog je nach Windrichtung über das ganze Dorf und brachte meinem Vater einen wohl nett, aber deutlich gemeinten Titel ein: Er war der Gammelkönig von Neufeld.
Als kleiner Junge im Schlickloch
Als kleiner Junge habe ich mich ab und zu durchs grüne Vorland und das Schilf bis ins Watt gewagt. Ungefährlich war das nicht: Die auflaufende Flut verwandelt das Watt sehr schnell in eine gleichförmige Wasserfläche, und man sieht den weichen Untergrund nicht mehr.
In einem Schlickloch kann man bis zu den Oberschenkeln versinken. Ich habe es glücklicherweise überlebt.
Wichtig: Betretet das Watt nur im Nahbereich der Badestrände oder sonst immer mit erfahrenen Wattführern. Bei auflaufender Flut besteht Lebensgefahr.
Hundert Touren ins Neufelder Watt
Eine Ausnahme habe ich mir als Ortskundiger, regelmäßig in Begleitung meiner Frau, Anfang dieses Jahrhunderts aus Forschungsgründen erlaubt. Rund 100 Mal in zehn Jahren waren wir jeweils etwa sechs Stunden im Neufelder Watt unterwegs, vom ablaufenden Wasser bis zum Beginn der Flut. Dabei konnte ich die Geheimnisse der Sedimentbewegungen in diesem Tidegebiet entschlüsseln und viel über die Dynamik der Watten im Elbmündungsgebiet lernen. Ab und zu durften fitte Begleiter mitkommen. Einige Fotos dieser Touren findet ihr in unserer Bildergalerie. Die Erkenntnisse helfen, die Verschlickung der Elbe bis zum Hamburger Hafen zu verringern und die Elbe an den steigenden Meeresspiegel anzupassen.

Von Koog zu Koog nach Friedrichskoog
Einmalig ist auch eine Fahrt von Koog zu Koog. Über Jahrhunderte wurde an der Nordseeküste immer weiter Land gewonnen und jedes Mal mit einem neuen Deich geschützt. So entstanden die Köge zwischen neuem und altem Deich, und so wurde die Marsch zu einer der fruchtbarsten Regionen der Erde.
Geboren auf einem Deich
Alte Deiche wurden meist abgetragen, und auf dem gut verdichteten Grund baute man Wege und Häuser. Der Kattrepeler Westerdeich ist so ein Beispiel: der frühere Deich von Neufeld nach Marne, heute eine Straße. In meinem Ausweis steht er noch immer als Geburtsanschrift, weil mein Elternhaus darauf stand.
Für Wasserbau-Fans: Schlafdeiche, Stöpen und Sturmflutwarnung
In Neufeld beginnt Richtung Nordsee ein doppeltes Deichsystem. Heute ist fast die gesamte Marschenküste bis nach Dänemark doppelt geschützt: Nach dem Bau eines neuen, vorgelagerten Deiches bleibt der alte als Schlafdeich und zweite Deichlinie stehen. Zerstört eine Sturmflut doch einmal den ersten Deich, bleibt die Überflutung auf den jeweiligen Koog begrenzt. Die befestigten Durchfahrten für Straßen heißen Stöpen. Sie können bei drohender Sturmflut mit Dammbalken verschlossen werden. Ein Sturmflutwarndienst warnt rechtzeitig die gesamte Küsten- und Elbbevölkerung bis über Hamburg hinaus.
Besonders im Dieksanderkoog fällt die einheitliche Bauweise der Bauernhöfe auf. Sie entstanden in den 1930er-Jahren nach der Trockenlegung der Watten. Ursprünglich trug der Koog den Namen Adolf Hitlers; nach dem Krieg besann man sich auf den Namen der früheren Sandbank, den Dieksand. Die Neulandhalle ist heute eine Gedenk- und Lernstätte zur Geschichte des Koogs.
Friedrichskoog: Krabben, Kutter und ein geschlossener Hafen
In Friedrichskoog war bis vor einigen Jahren eine der großen deutschen Krabbenkutterflotten zu Hause. Hier wurde sogar eine legendäre Krabbenschälmaschine erfunden. Bei Urthel am Hafen, Fischgeschäft und Restaurant zugleich, wird bis heute mit eigenen Maschinen geschält; ob man zuschauen kann, fragt ihr am besten vorher. Die lange Hafenzeit fand vor einigen Jahren ein wasserbaulich begründetes, wohl aber auch politisch motiviertes Ende: Gegen erheblichen Protest im Ort ließ die Landesregierung die Hafenschleuse endgültig schließen.
Für Wasserbau-Fans: Warum der Hafen Friedrichskoog geschlossen wurde
Der Hafenpriel war beim Bau so angelegt, dass er in einen der mächtigen natürlichen Priele im Watt mündete. Damals kamen auch die größten Krabbenkutter hinaus und zurück. Nach der Eindeichung des Dieksands gingen aber die großen Watt- und Vorlandflächen verloren, die zweimal täglich überflutet wurden. Dadurch wurde die Strömung in den Prielen deutlich schwächer, und auch der Priel am Leitdamm der Hafenzufahrt versiegte weitgehend. Ohne erhebliche Eingriffe ließ sich der Hafen nicht mehr wirtschaftlich und nationalparkverträglich erhalten, zumal immer mehr Kutter nach Büsum ausgewichen waren. Die natürliche Entwässerung der Köge über den Hafenpriel übernimmt heute ein elektrisches Pumpwerk am Deich des früheren Hafenbeckens.
Ein Highlight ist die Seehundstation am früheren Hafen; schon auf der A23 vor Itzehoe weist ein Schild darauf hin. Hier leben einige betagte Seehunde, viele junge, die Heuler, werden vorübergehend aufgepäppelt. Die Programme begeistern Kinder und Erwachsene gleichermaßen. In Friedrichskoog-Spitze gibt es seit Juli 2026 einen neuen Badestrand am Deich: sonnen, das Watt erkunden oder eine geführte Wattwanderung mitmachen. Eine Gästekarte (Kurabgabe) braucht ihr dafür.
Schietwetter gibt es in den letzten Jahren seltener, ganz weg ist es aber nicht. Mit warmer, regenfester Kleidung ist ein paar Stunden salzige Seeluft trotzdem sehr gesund. Danach in einer unserer gemütlichen Wohnungen die Beine hochzulegen, ist ein besonderer Genuss.
Büsum, St. Peter-Ording und die Eider
Wer den Krabbenkuttern folgen möchte, fährt über die Köge und Meldorf nach Büsum. Der Ort hat sich zu einem echten Ferienort entwickelt. Die Perlebucht, ein künstlicher Sandstrand mit abgetrenntem Badebereich vor dem Deich, hat ein ganz besonderes Flair, probiert sie aus. Am Strandeingang löst ihr eine Gästekarte. Spannend ist auch eine Fangfahrt mit dem Fischkutter. Und neu seit 2026: Nach Helgoland geht es jetzt sogar direkt ab Brunsbüttel. Der Halunder Jet legt am Elbdeich ab und ist in gut zwei Stunden auf der Insel.
Mit dem Auto auf den Strand
Alternativ empfehlen wir einen Tagesausflug nach St. Peter-Ording, liebevoll SPO genannt. Die Halbinsel Eiderstedt liegt zwar nicht mehr in Dithmarschen, ist uns aber trotzdem ans Herz gewachsen. Von Brunsbüttel geht es über Meldorf Richtung Büsum, dann rechts ab über das Eidersperrwerk zu den Autostränden. Wo kann man schon mit dem Auto bis auf den Strand fahren? In SPO geht das, gegen Tageskarte und Parkgebühr.
Auch wenn ihr keine Strandsegler oder Kitesurfer seid: Der endlose Strand lädt zu Spaziergängen in fast wüstenhafter Weite ein. Ein paar urige Restaurants auf Pfahlbauten stehen direkt am Strand, meist sehr empfehlenswert. Wer faulenzen möchte, mietet einen Strandkorb oder bummelt über die Promenade. In der kurzen, aber intensiven Sommersaison ist hier richtig was los.
Nach unserer Auffassung ist das Strandrevier sogar attraktiver als Sylt.
Das ist natürlich Geschmackssache, aber eines ist sicher: Ein Tagesausflug dorthin lohnt sich immer wieder.

Watt verstehen, Grachten und Störche
Wer Dithmarschen über die Eiderbrücke bei Tönning Richtung Norden verlässt, findet gleich links neben der Klappbrücke das Multimar Wattforum. Dort lernen alle, vom kleinen Kind bis zur Oma, kurzweilig das Watt verstehen. Ein mehrstündiger Aufenthalt lohnt sich. Bei schönem Wetter machen unsere Gäste danach gern noch einen Abstecher nach Friedrichstadt, einer Kleinstadt im holländischen Stil, gegründet von niederländischen Einwanderern, die aus Glaubensgründen ihre Heimat verlassen mussten. Eine gemächliche Bootsfahrt auf den Grachten und der Treene ist pure Entschleunigung.
Die Treene war zur Zeit der Wikinger so etwas wie heute der Nord-Ostsee-Kanal: Die gefürchteten Seefahrer segelten in die Eider, treidelten ihre Boote mit Ochsen die Treene hinauf und zogen sie nahe der Quelle über Land bis zur Schlei. Dort lag Haithabu, damals eine wichtige Handelsmetropole. Das Wikinger Museum Haithabu zeigt, wie es dort zuging. Ganz in der Nähe liegt das Storchendorf Bergenhusen: In den Feuchtgebieten von Eider und Treene gibt es jede Menge Frösche, kein Wunder, dass die Störche hier hoch oben auf Wagenrädern nisten.
Zurück in Brunsbüttel
In der kalten Jahreszeit empfehlen wir das Freizeitbad Brunsbüttel an der Braake (im Sommer macht das Hallenbad Pause). Im Sommer ist das beheizte Freibad Ulitzhörn an der Zufahrt zur Schleuse ein absolut heißer Tipp. Ein Förderverein betreibt es, und es ist sehr gut ausgestattet. Direkt am Seedeich gelegen, könnt ihr von dort aus zuschauen, wie die Lotsen die dicken Pötte zentimetergenau in die Schleusen manövrieren. Es gab schon Gäste, die fast ihren ganzen Urlaub hier im Strandkorb oder auf dem Rasen am Deich verbracht haben. Anders als an der Nordseeküste am Watt gibt es hier immer etwas zu sehen.

Die Elbe entlang bis Hamburg
Wer einmal direkt in der Elbe baden möchte, fährt am besten an den Sandstrand von Kollmar. Mit der kostenlosen Fähre über den Kanal und weiter über St. Margarethen und Glückstadt ist das ein schöner Tagesausflug.
Der König mit den schlechten Beratern
In Glückstadt lohnt eine Pause am Hafen mit den historischen Gebäuden. Hier ließ König Christian IV. von Dänemark im 17. Jahrhundert einen Hafen anlegen, um Hamburg Konkurrenz zu machen; bis 1864 war Holstein dänisch, und die Grenze reichte bis Altona, gleich neben der Reeperbahn. Der König hatte aber schlechte Berater, die sich wohl eher mit der Ostsee als mit einem Tidefluss auskannten. Ausgerechnet bei Glückstadt ist der Schlickgehalt im Elbwasser am höchsten. Ohne ständiges Baggern ließ sich der Hafen nicht auf Tiefe halten, und der König musste seine Pläne reumütig begraben.
Für Wasserbau-Fans: Schlick, Saugbagger und die Ursuppe des Lebens
Die Schwebstoffe im Wasser setzen sich vor allem bei Stillwasser ab, also wenn die Flut endet und die Ebbe beginnt und umgekehrt. Durch Flussvertiefungen und Deichbauten hat sich das Problem gegenüber damals noch erheblich verstärkt. Wer genau hinschaut, sieht im Elbfahrwasser immer wieder Saugbagger. Sie saugen Schlick in ihren Bauch und bringen ihn weit flussabwärts in den Übergang zum tiefen Meer, wo er für die Wattbildung sehr wertvoll ist.
Ein Anfang dieses Jahrhunderts entwickeltes Tideelbekonzept will frühere natürliche Gegebenheiten mit geringerer Ablagerung wiederherstellen, ohne die Seeschifffahrt zu vernachlässigen. Weltweit ist inzwischen der ökologische Wert der Tideflüsse erkannt. Dort, wo sich Süßwasser und Salzwasser mischen, sterben Kleinlebewesen aus beiden Richtungen, weil sie das jeweils andere Milieu nicht vertragen. Gerade dieses Sterben führt paradoxerweise zu neuem Leben. Manche Wissenschaftler sprechen von einer Art Ursuppe des Lebens im Übergangsgewässer.
Kollmar: Sturmflutmarken, Sandstrand und Café Sünnschien
In Kollmar könnt ihr wieder den dicken Pötten zuschauen. Eine Stöpe führt durch den Seedeich zum kleinen Hafen; bei Sturmflut wird sie mit Dammbalken geschlossen. An der Stöpe zeigen Sturmflutmarken, wie hoch das Wasser draußen stehen kann. Wer sich vorstellt, es gäbe keine Deiche, ahnt, wie tief die Marsch dann unter Wasser stünde.
Auf der Seeseite liegt rechts hinter einer Imbissbude ein kleiner Spielplatz direkt am Sandstrand, unser Geheimtipp für Kinder. Motorradfahrer treffen sich hier gern. Für uns hat das Café Sünnschien rechts am Deich eine große Bedeutung: Kuchen und Eis dort sind perfekt auf unseren Geschmack zugeschnitten.
Ein Tag in Hamburg, abends wieder Ruhe
Wer mehr vom Tidefluss sehen möchte, besucht die Haseldorfer Marsch und Hetlingen. Wunderschön ist auch der Weg von Wedel bis zu den Landungsbrücken, am besten mit dem Fahrrad, vorbei an den Elbstränden der Elbvororte. Baden solltet ihr dort nur mit äußerster Vorsicht: Der Sog der Schiffe und die Strömung können lebensgefährlich sein.
Unser Hamburg-Trick: In gut einer Stunde nach Hamburg fahren, in den Elbvororten nahe der S-Bahn Klein Flottbek parken und zum Fähranleger Teufelsbrück gehen. Dort gibt es am Automaten eine HVV-Gruppenkarte für den ganzen Tag. Mit der Hafenfähre 64 nach Finkenwerder und mit der 62 zu den Landungsbrücken, dann zur Elbphilharmonie, durch die HafenCity und die Innenstadt bummeln und mit der S-Bahn zurück zum Auto. Unsere Gäste sind immer wieder begeistert und wissen danach die Ruhe in Brunsbüttel umso mehr zu schätzen.
Noch mehr Ideen
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Auf dem Wasser, auf Schienen und in der Luft
Geschichte und Museen
Genuss, Feste und Kurioses
Mit dem Fahrrad
Es besteht die Gefahr, dass euch unser Brunsbüttel mitten in dieser Gegend so gut gefällt wie uns selbst. Ihr solltet das Risiko eingehen. Ihr werdet euch möglicherweise, wie wir, in unsere Heimat verlieben, in unser Zuhause, in unser Brunsbüttel. Probiert es aus. Wir freuen uns auf euch.
Heinz und Heidi Glindemann
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